Mit Kindern Schule machen
Kurzporträt meiner Schulführung
Erziehung...
Wahrhaftigkeit, Mitmenschlichkeit und Offenheit sind für mich ganz zentrale Werte. Es ist mir wichtig, dass sich die mir anvertrauten Kinder selber immer besser einschätzen lernen. Ich führe sie in der Klassengemeinschaft auch dazu, die andern Menschen gut zu verstehen und zu respektieren. Ich weiss aber, dass ich dabei selber als Persönlichkeit gefragt und auf die Unterstützung der Eltern angewiesen bin. Es liegt mir sehr am Herzen, dass sich Knaben und Mädchen gleichwertig akzeptieren und Kontakt pflegen. Ich möchte auch Kinder aus andern Kulturen gut in der Klasse integrieren und die Vielfalt als Bereicherung betrachten.
Im wöchentlichen Klassenrat können die Kinder ihre Vorschläge und Probleme einbringen. Sie erproben demokratische Regeln und gewaltfreie Lösungsmöglichkeiten. Es geht darum, Diskussionen leiten zu lernen und Protokolle zu schreiben.
An den Arbeiten für die Gemeinschaft wird sichtbar, dass jedes Kind der Klasse seinen Beitrag leisten muss, um andern zu helfen. In einer tragfähigen Klassengemeinschaft kann Vertrauen wachsen, welches erst Projekte wie Klassenlager und die Diskussion von tieferen Lebensfragen möglich macht. Ich möchte den Kindern Begegnungen mit andern Menschen vermitteln und solche Kontakte gelegentlich über eine Zeit pflegen, auch mit andern Klassen.
...und Bildung
Als Lehrer vermittle ich den Kindern grundlegendes und bedeutungsvolles Wissen. Damit sie eine gute Vorstellung bilden können, werde ich nach Möglichkeit direkte Begegnungen in der Natur, in Ausstellungen oder Betrieben organisieren. Die Kinder lernen auch mit Hilfsmitteln wie Bücher, Karten und Computer Informationen zu beschaffen.
Sehr häufig berate ich die Kinder persönlich auf ihren eigenen Lernwegen. Ich leite sie an, ihre Wege zu überdenken und zu diskutieren. Durch das eigenständige Lernen fördere ich ein gründliches Verstehen, das auf neue Situationen übertragen werden kann. Das Interesse an der Sache und der bewusste Lernzuwachs wecken eine nachhaltige Lernfreude.
Ein Teil des Unterrichts erfolgt als Planarbeit. In der Wochenplanung werden die allgemeinen Lernziele auf die persönlichen jedes Kindes abgestimmt. Es soll so möglich werden, dass jedes Kind seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend gefördert wird. Die Kinder arbeiten und kontrollieren sich möglichst selbstständig. Etwas vom Wirksamsten sind freigewählte, auf Freundschaft basierende Lernpartnerschaften, besonders auch über die Jahrgangsgrenzen hinweg. Die Hausaufgaben können die Kinder in einer gewissen Freiheit selber einteilen und so ihre Selbstständigkeit und ihr Pflichtbewusstsein auf die Probe stellen. Ich möchte ihnen so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig helfen. Vor der Schule biete ich regelmässig eine Aufgabenhilfe an.
In ihrem Lerntagebuch dokumentieren die Kinder Schritt für Schritt ihre Lernwege und Überlegungen. Es ist ein Weg mit Erfolgen und Misserfolgen. Fehler und Irrtümer sind in erster Linie dazu da, um daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Der Weg zum Ziel ist beim Lernen von grosser Bedeutung; es gehört aber ebenso dazu, dass am Schluss ein ansprechendes Resultat steht, das die Kinder persönlich und schön gestalten.
Viele Arbeiten der Kinder erhalten erst einen Sinn, wenn sie von den andern wahrgenommen werden. In der Austauschstunde erleben die Kinder, wie schön und bereichernd es sein kann, von andern etwas zu erfahren, wenn sie vor der Klasse ihre Beiträge vortragen, und wie viel Mut es braucht, vor einer Zuhörerschaft zu stehen. Das stärkt auch das eigene Selbstvertrauen und schult die Kinder darin, einander wohlwollend zu kritisieren und sich mit Rückmeldungen auseinander zu setzen.
Im Sprachunterricht schreiben die Kinder persönliche Texte oft zu selbstgewählten Themen und für bestimmte Adressaten. Wir gehen grundsätzlich vom eigenen Können jedes Kindes aus und verbessern seine Schwierigkeiten individuell. Es ist mir ein Anliegen, den Kindern den Zugang zu guter Literatur zu ebnen. Der erste Fremdsprachenunterricht soll anfänglich sehr lebendig auf bestimmte Situationen und Gesprächsanlässe bezogen sein. Dazu bietet der Kontakt mit einer französischsprachigen Partnerklasse vielfältige Möglichkeiten und eine sinnvolle Motivation.
Grundlage des Mathematikunterrichts ist eine gute Vorstellungsbildung von Zahlen, Grössen und Operationen. Sie wird in konkreten Handlungen erarbeitet und im klaren Sprachgebrauch bewusst gemacht. Geometrie eignet sich sehr gut zur Förderung des Problemlösens und der Beweisführung.
Im Geschichtsunterricht betone ich weniger den zeitlichen Ablauf als vielmehr die thematischen Längsschnitte (z.B. Konflikte lösen, Arbeitswelten, gelebte Solidarität). Dabei gehen wir den Motiven der handelnden Menschen auf den Grund und schlagen Brücken zwischen der heutigen Lebenssituation der Kinder und der Vergangenheit.
In der Naturkunde sollen die Kinder Pflanzen und Tiere im Freien direkt beobachten oder im Schulgarten und Schulzimmer hegen und pflegen. Aus dem Staunen und aus dem Erfassen der Zusammenhänge wächst das Bedürfnis, die Natur zu schützen und zu verstehen.
Im Rahmen von Mensch/Umwelt können die Kinder zeitweise freie Projekte verwirklichen, bei denen sie lernen, selbstverantwortlich zu planen, Informationen zu beschaffen, Ergebnisse in einem Portfolio darzustellen und rückblickend ihre Arbeit zu beurteilen.
Musische und sportliche Aktivitäten gehören gleichwertig zu einer ganzheitlichen Bildung. Die Musik liegt mir aus persönlicher Betroffenheit besonders am Herzen. Neben dem Gesang fördere ich auch das Musik hören und gemeinsame Musizieren als Bläserklasse. Ich suche auch nach Möglichkeiten, wo die Kinder unmittelbar mit Kunstwerken in Berührung kommen (z.B. Kunstausstellungen, Theater und Konzerte) und so sensibler, offener und reifer werden. Ein Schwerpunkt liegt im Töpfern, dem eine gute Gestaltungskraft und Beschaulichkeit innewohnt. Der Sport eignet sich sehr gut, um sich mit persönlichen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen und Fairplay zu üben.
Klassenlager sind ganz hervorragend geeignet, meine erzieherischen und schulischen Ziele zu verfolgen, wie Gemeinschaftsbildung und die direkte Begegnung mit Menschen, mit einer neuen Umgebung und besonderen Sachthemen.
Meine Theaterprojekte geben den Kindern die Möglichkeit, sich in Rollen und Beziehungen einzufühlen und ihrem Körper und ihrer Sprache befreienden Ausdruck zu verleihen.
Auch die Beurteilung des Kindes soll ganzheitlich sein und in erster Linie seiner Unterstützung dienen. Ich fördere zunehmend seine Selbsteinschätzung und verhandle die Zeugnisse mit ihm. Probleme sind Herausforderungen, die jedes auf seine persönliche Art zu bewältigen sucht. In lösungsorientierten Gesprächen gehe ich davon aus, dass die Kinder mit meiner Hilfe eigene Kräfte und Ideen mobilisieren können, um ihre Probleme zu lösen.
Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus soll von beiden Seiten getragen werden. Ich erwarte die Eltern an den Besuchsmorgen oder sonst einmal bei einem Schulbesuch und lade jedes Jahr mindestens zu einem persönlichen Gespräch ein. In den Bulletins orientiere ich schriftlich und lade gelegentlich zu Anlässen ein, die auch die Eltern untereinander näher bringen sollen.
Als Erzieher und Lehrer will ich mich mit dem Bauern, der sät, pflegt und erntet vergleichen, aber auch mit dem Fischer, der täglich neu zum Fang ausfährt. Beiden aber reichen ihr Können und die Erfahrung allein nicht aus, um Erfolg zu garantieren.
Bruno Stucki









